So kann dein Kind spielen lernen

Kinder brauchen das gemeinsame Spiel mit Mama und Papa. Ja. Aber Eltern sind keine Daueranimateure und dein Kind muss nicht pausenlos bespaßt werden. Auf Müttern lastet der Druck, sich rund um die Uhr ums Kind zu kümmern, es optimal zu fördern und jede Minute effizient zu nutzen. Und hier kommt die gute Nachricht: Wir sind nicht die Spielfreunde unserer Kinder, sondern unsere Aufgabe ist es vor allem, Gelegenheiten zu schaffen, in dem sich unsere Kinder entfalten, ins freie Spiel und eigene Ideen entwickeln können. Kinder können und sollten auch mal ohne dich spielen - entweder allein oder am besten mit anderen Kindern. Warum, erfährst du jetzt: 

 

Gute Gründe, Kinder einfach mal machen zu lassen 

  • Schult Kreativität und Lösungskompetenz: Während wir Erwachsenen ihnen meist schon fertige Lösungen präsentieren (so geht das "richtig"), können sie sich mit anderen Kindern auf die kreative Suche nach Lösungen machen und voneinander lernen. Sie probieren aus, lernen den eigenen Körper und seine Möglichkeiten kennen und entwickeln ihren eigenen Weg, ans Ziel zu kommen. Kompetenzen entstehen durch Ausprobieren.
  • Stärkt Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl: Eigene Lösungen zu finden, gibt deinem Kind das gute Gefühl, aus eigener Kraft eine Herausforderung genommen zu haben („Ich habe mein Leben selbst in der Hand.“). Sich selbst auf die Suche zu machen und herausfinden, wie es gehen kann und ob sie Hilfe benötigen, schafft Selbstvertrauen und gesundes Selbstwertgefühl, das ihnen ganzes Leben hilft (generell ist es gut, wenn du dein Kind immer ausprobieren lässt und auf dem Weg zur Lösung auch Fehler zugestehst). 
  • Weitere Pluspunkte: Kinder lernen logisches Denken und Erkennen von wiederkehrenden Mustern, einfaches Rechnen, auch die Fantasie wird angeregt
  • Vorteile des gemeinsamen Spiels: lernen soziale Fähigkeiten wie z. B. sich um Schwächere zu kümmern, hin und wieder nachzugeben und Kompromisse zu schließen. Lernen außerdem, Regeln zu akzeptieren, auch mal zu verlieren und Konflikte eigenständig zu lösen. Das hilft ihm später, mit Stress und schwierigen Situationen umzugehen.   
  • Last but not least: Du bekommst Ruhe. 

Das kannst du tun, um dein Kind an das selbständige Spiel zu gewöhnen - und dir eine Pause zu verschaffen: 

 

1. Einen schönen Rahmen schaffen

  • Generell: Schaffe eine Ja-Umgebung, in der sich dein Kind möglichst frei bewegen kann, ohne dass du es ständig davon abhalten musst (sprich: Nein sagen musst), verschiedene Dinge anzufassen oder zu nutzen.
  • Sicherheit im Raum herstellen: Steckdosenschutz, Fenster zu (und möglichst abschlossen), zerbrechliche Dinge aus der Schusslinie
  • keine Ablenkung; elektronische Geräte wie Handy, Tablet, TV oder Computer außer Reichweite 
  • schöne, anregende Spielumgebung, die zum Bleiben einlädt: kein klinisch steriler Raum, aber auch keine überfüllten Regale (sollte für Kind überschaubar bleiben), angenehmes Licht, leere Tische, auf denen sofort losgelegt werden kann, weicher Teppich auf dem Boden, Platz zum Bauen/Puzzeln. etc.
  • Strahle Ruhe aus - wenn du nicht entspannt bist, wird sich dein Kind auch nicht entspannen und ins Spiel finden können, sondern wird zur Sicherheit noch stärker die Nähe zu dir suchen. 
  • Besonders bei den ganz Kleinen gilt aber auch: Lass dein Kind dort spielen, wo du bist. Wenn du gerade im Schlafzimmer Wäsche sortierst, dann will dein Kind in der Regel auch dort spielen. 
  • aufmerksam beobachten, welche Spiele das Kind gern spielt und entsprechend unterstützen (großer Spiegel und Verkleidungskiste für Rollenspiele, Puzzle, Knete, Bausteine etc.); Inspiration kannst du dir auch von den ErzieherInnen in Krippe oder Kita holen - die haben manchmal noch ne ganz andere Idee 
  • genügend Zeit für Spiel schaffen - unter Druck wird es kaum funktionieren. Dein Kind benötigt gerade am Anfang Zeit, sich an die Situation zu gewöhnen (ähnlich wie auf dem Spielplatz).

2. Behutsam Hinführen 

  • Generell gilt: Erwarte erst einmal nicht zu viel und führe dein Kind langsam heran. Vielleicht klappt das anfangs nicht, aber dann übt es einfach immer wieder. Druck hilft da nicht, Beharrlichkeit hingegen schon, so dass sich dein Kind langsam daran gewöhnen kann. Manche Kinder können schneller loslassen, andere langsamer. Es gilt: Jeder in seinem Tempo. Ein paar Ideen - schau einfach, was für euch gut funktioniert: 
  • Allein-Spielzeiten als festes Ritual einführen, in der ihr beide im selben Raum seid, aber etwas unterschiedliches macht; ritualisiert ca. ein bis zwei Mal pro Tag für ein paar Minuten, ruhige und schöne Atmosphäre für euch zwei, in der ihr euch wohlfühlen könnt, mach dir vorher vielleicht einen Kaffee oder Tee. Du kannst in einer Zeitschrift blättern, während dein Kind etwas anderes spielt dem du aber keine besondere Beachtung schenkst. 
  • Beginne ein gemeinsames Spiel, was dein Kind danach problemlos alleine weiterführen kann (z. B. Knete, Bausteine etc.). Wähle den Moment, in dem dein Kind von etwas fasziniert ist und verlasse dann das Zimmer. Verlängere die Abwesenheit schrittweise - aber behutsam und nicht zu schnell. Sage ihm an, dass du z. B. kurz in die Küche gehst und halte von dort Sprechkontakt. Dein Kind macht so die Erfahrung, dass eine Trennung von dir ohne schlimme Folgen bleibt. 
  • Spiel zunächst parallel neben (aber nicht mit) deinem Kind und wende dich, sobald es in sein Spiel "abtaucht", einer anderen Tätigkeit zu. 
  • Exkurs Umgang mit Langeweile: Nicht sofort etwas vorgeben, wenn dein Kind sich langweilt. So hat dein Kind irgendwann gar keine Muse, sich selbst etwas auszudenken. Meist braucht es nur etwas Ruhe, bis die nächste Spielidee in den Kopf kommt. Bis dahin könnt ihr euch einfach hinsetzen und zusammen langweilen. 

3. Jetzt bloß nicht kaputtmachen 

  • Nicht stören und einfach machen lassen.Wenn sich dein Kind gerade allein beschäftigt, unterbrich es möglichst nicht. Dein Kind kann nur in deine Fantasiewelt versinken, wenn du es in Ruhe lässt. Sein Spielflow braucht Raum und Ruhe. 
  • Auch keine Kommentare geben wie „Schön machst du das.“ oder "Toll!" - das holt dein Kind sofort aus seiner eigenen Welt. 
  • Unordnung darf sein, am besten keine Kommentare ála "Oh nee, jetzt nicht die ganze Kiste auskippen."
  • Bei Problemen nur im Notfall eingreifen. Vielleicht kann es sein Problem selbst lösen. Nur helfen, wenn Hilfe ausdrücklich gefragt ist. Wenn dein Kind etwas zeigen möchte oder Hilfe braucht, meldet es sich von allein.
  • Randnotiz: Wie lange es spielt, hängt vom Typ und Alter ab. Richtwerte sind, dass sich Kinder unter einem Jahr 5 bis 10 Minuten selbst beschäftigen, zwischen einem und drei Jahren 15 bis 30 Minuten. Wichtig ist aber, dass du in der Nähe bleibst. Egal, wieviel Zeit dir geschenkt wird: Nutze sie für dich.

4. Nicht aufgeben

  • Auch, wenn es anfangs noch nicht klappt und dein Kind eher an dir klebt, anstatt selbst zu spielen: Bleib mit Entschlossenheit dran. 
  • Druck hilft nicht, Beharrlichkeit hingegen schon, so dass sich dein Kind langsam daran gewöhnen kann und du deine Pausen nach und nach immer leichter durchsetzen kannst. Langsam, liebevoll, aber beharrlich lautet die Devise. 
  • Ein weiterer Tipp: Geh in Vorleistung und befriedige zunächst das Bedürfnis deines Kindes nach gemeinsamer (Spiel-)-Zeit mit dir. Häufig ist dein Kind danach kompromissbereiter und kann leichter damit umgehen, wenn Mama mal nicht verfügbar ist. Das kann beispielsweise so aussehen, dass du sagst, dass ihr jetzt 15 Minuten spielt und Mama danach in Ruhe einen Kaffee trinken möchte. 

Wenn genug gespielt wurde...

...und es ans Aufräumen geht, können dir diese Aufräumspiele gute Dienste leisten. 

Was funktioniert aus deiner Erfahrung noch gut, um Kindern das Spielen beizubringen?

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