Viele Ideen für eine gleichberechtigte Elternschaft

Die Zerreißprobe für Mütter von heute 

Die meisten von uns wurde über Jahrzehnte bewusst oder unbewusst eingetrichtert, dass es Männer sind, die das Geld ranschaffen und Frauen sich um Familie und alle Arbeiten rund um das Haus kümmern. Er macht das Business, während sie dafür sorgt, dass sich die Familie wohl fühlt. Man möchte meinen, dieses Bild stammt aus den 50ern, doch auch heute ist es noch in vielen Familien Usus, dass Mütter ganz selbstverständlich den Löwenanteil bei Kind, Haushalt und Familienorganisation bestreiten. Vielleicht, weil es Elternpaare von zu Hause nicht anders kennen. Vielleicht, weil es sich über die Jahre einfach so eingespielt hat. Vielleicht auch, weil sich manche Männer einfach weigern, diese Aufgaben zu übernehmen und es als "Frauensache" abtun.

 

Mit ihrem riesigen Berg an To dos im Rücken werden Mütter heute mit sehr widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert. Die eine Seite ruft nach der modernen Mutter, die berufstätig sein soll, um nicht von ihrem Partner abhängig zu sein und am Ende in Altersarmut zu enden. Andererseits wird weiterhin stillschweigend erwartet, dass sie ihre traditionelle Mutterrolle voll erfüllt. Das führt zu einem Spagat, der nicht vernünftig zu bewerkstelligen ist - nicht allein. Die Frauen, die diese riesige Herausforderung mit Familie und Job annehmen, machen große Abstriche bei sich selbst und brechen meist irgendwann unter der immensen Verantwortungs- und Zuständigkeitslast zusammen. Andere Mütter machen stattdessen deutliche Abstriche bei ihrem Job (Stichwort Teilzeit) und damit auch bei ihrer späteren Rente. 

 

Familie geht alle an

Für ein Kind haben sich zwei Menschen entschieden und entsprechend tragen auch beide die Verantwortung dafür. Das Ziel sollte sein, die Aufgaben in einer Familie auf die Schultern beider Eltern zu verteilen, um Mütter zu entlasten und ihnen die Chance zu geben, sich auch um ihr eigenes Leben zu kümmern. Zeit für sich zu haben. Einem Job nachzugehen, der später auch genügend Rente für sie abwirft. Genauso, wie es der Vater auch kann.

 

Was sich in der Theorie so schön anhört, ist in der Praxis oftmals richtig schwer. Wäre es leicht, würde es ja jeder machen. Dennoch ist es wichtig, dass wir Mütter uns auf den Weg machen - für uns, aber auch für unsere Kinder. Wenn wir dieses Ungleichgewicht weiterhin hinnehmen, wird sich auch nichts ändern. Es gibt bereits Familien, in denen Elternschaft gleichberechtigt gelebt wird. Das ist toll und eine Entwicklung, die hoffnungsvoll stimmt. Noch sind sie die Minderheit und ich wünsche mir, dass die Zahl immer weiter wächst.

 

Ideen für ein gleichberechtigtes Miteinander

Deshalb habe ich Mütter in sozialen Netzwerken gefragt: Wie kann gleichberechtigte Elternschaft gelingen, in der sich beide um Familienaufgaben wie Kinderbetreuung, Haushalt und Familienorganisation kümmern? Wie kann die Zukunft der Familie aussehen, in der sich beide Elternteile gleichberechtigt, wertschätzend und auf Augenhöhe begegnen? Wie können wir zu der Generation werden, die ihren Kindern echte Gleichberechtigung vorlebt und weitergibt? Ich habe hunderte Antworten bekommen. Diese reichen von Forderungen an die Politik und Arbeitgeber bis zu ganz konkreten Ideen für die eigenen vier Wände. Diese möchte ich nachfolgend ohne Wertung vorstellen.

 

Es sind Modelle, die für die Eine funktionieren - für die Andere vielleicht nicht. Der Einen werden einige Vorschläge nicht weit genug gehen, zu zaghaft oder selbstverständlich erscheinen – für die Andere sind es Meilensteine auf ihrem Weg zu mehr Gleichberechtigung in der Elternschaft. Ebenso gibt es Familien, in denen sich beide ganz bewusst für die klassische Rollenverteilung entschieden haben. Dagegen ist überhaupt nicht einzuwenden, solange beide happy damit sind – und er finanziell für sie vorsorgt, damit sie im Worst Case nicht mit leeren Händen dasteht. Jede Mutter startet an einem anderen Punkt und ich bitte deshalb um Toleranz für jeden Weg. Du solltest für dich selbst herausfinden, was praktikabel für dein Leben ist. Was dir gefällt, nimm mit. Was nicht, lass liegen. Schön ist in jedem Fall, dass du diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenkst – und sei es nur, dass du zunächst intensiver darüber nachdenkst und euer Verhalten im Alltag genauer beobachtest. 

 

Ich wünsche mir, dass diese Ideenliste ein Anstoß zum Nachdenken für dich ist und den ein oder anderen Stein ins Rollen bringt. 

 

Inhalt 

  1. Mindset prüfen 
  2. Kommunikation mit dem Partner
  3. Arbeitswelt neu denken 
  4. Kinderbetreuung aufteilen
  5. Haushalt teilen
  6. Organisation teilen 
  7. Aufklären und Sensibilisieren 

Verantwortung für dein Leben übernehmen

  • Es ist kein Gesetz, dass du dich um Kind, Haushalt und Organisation kümmerst. Diese Vorstellung entspringt alten Rollenbildern in deinem Kopf, die du aber nicht zulassen musst, wenn du dich damit nicht wohl fühlst. 
  • In erster Linie sollten wir Mütter dafür Verantwortung übernehmen, dass es uns gut geht. Wir sollten für die nötige Unterstützung – sei es von staatlicher, aber auch von privater Seite – einstehen und nicht nur darauf warten, dass sich etwas von allein ändert. Abwarten bringt dich in eine schwache Position und wenn du die Situation weiterhin so akzeptierst, wird sich nichts ändern. („Mütter sollten sich (...)  nicht in eine Opferposition bringen, sondern ihren eigenen Lebensentwurf mit den Partnern in einem gleichberechtigten Aushandlungsprozess durchsetzen.")
  • Steh für dich ein. Nimm die Verantwortung für dein Leben an. Schau im Rahmen deiner Möglichkeiten, welche Änderungen zu selbst erschaffen kannst. Geh in dich und überlege, welche Form von Elternschaft und Partnerschaft du dir wünscht. Und dann: Go for it. 
  • Wertvolle Glaubenssätze: 
    • Deine Zeit ist genauso wertvoll wie die deines Partners – völlig unabhängig von der Entlohnung. 
    • Auch, wenn du nicht arbeiten gehst: Care- und Hausarbeit ist auch Arbeit. Beide Aufgaben sind gleichwertig, gleich anstrengend und sollten gleich behandelt werden. (Deshalb ist das Argument "Ich mach dich Nacht, schließlich muss er am nächsten Tag wieder arbeiten" nicht gerecht, denn du hast auch einen ganzen Tag mit Baby vor dir.)
    • Auch du hast Anspruch darauf, im Alter versorgt zu sein. 

Verantwortung für Aufgaben teilen

  • Dein Partner sollte dir nicht „helfen" oder dich „unterstützen", sondern seine Verantwortung in der Familie wahrnehmen, von dem er genauso Teil ist. Es ist nicht nur deine Aufgabe. Alle tragen Verantwortung, dass es zu Hause läuft. Jeder sollte etwas dafür tun, dass ihr es zu Hause schön habt. Ihr habt die Kinder beide in die Welt gesetzt, also tragt ihr auch beide die Verantwortung dafür.
  • Du darfst Verantwortung teilen und abgeben.
  • Verantwortung und Mühen zu teilen, ist auch förderlich für die Beziehung. Dein Partner versteht, was du leistest und ihr teilt euer Leben mit all seinen schönen, aber auch verpflichtenden Seiten. Dein Partner darf damit eine wichtige Rolle in der Familie einnehmen und fühlt sich als wichtiger Bestandteil.
  • Alles selbst zu übernehmen, verschärft die Situation nur: Je mehr man sich als Mutter verantwortlich fühlt, desto mehr ziehen sich andere Familienmitglieder aus der Verantwortung zurück oder erlernen diese gar nicht erst. Die Mutter wird dabei als stark und belastbar wahrgenommen, die die alles im Griff hat, die die alles besser kann, die sich persönlich dafür opfert. Das verleitet die anderen Familienmitglieder dazu, sich zu sehr auf sie zu verlassen.      
  • Ein häufiger Teufelskreis: Dem Partner wird zu wenig zugetraut und lieber alles selbst gemacht („Wenn er etwas macht, macht er es nicht richtig und ich kann es dann nochmal machen.", „Ach, das mach ich lieber schnell selbst"). Der Partner wiederum lernt „Ich kann ihr sowieso nichts recht machen." und zieht sich weiter aus der Verantwortung zurück, wird passiv. Das was wiederum enttäuscht dich („Immer muss ich alles alleine machen.") und treibt dich weiter in die Verantwortung. Diese Form, Verantwortung für die Familie bewusst oder unbewusst an sich zu reißen, nicht Abgeben zu können und dem Anderen gleichzeitig Passivität vorzuwerfen, heißt in der Soziologie "Mütterliches Gatekeeping".
  • Du kannst lernen, loszulassen. Dafür ist viel Toleranz notwendig. Dein Partner erledigt Dinge vielleicht anders, aber dein Fokus sollte auf dem Ergebnis liegen. Ebenso kannst du deinen Blick mehr auf den Gewinn für dich, nämlich mehr Zeit für dich, lenken. (Beispiel: Nicht zurechtweisen, dass er den Geschirrspüler falsch ausgeräumt hat, sondern beachten, das es tut und mit anfasst. Ein „Danke, dass du den Geschirrspüler ausgeräumt hast" und vielleicht ein, zwei wohl dosierte Hinweise zur Optimierung).
  • Es kostet Kraft, sich nicht einzumischen und ihn seine "Fehler" machen zu lassen. Anders wird er aber nicht lernen. Du musstest anfangs genauso deine Fehler machen. Vielleicht betrachtest du die Familie als Spielraum, in dem dein Partner auch in klassisch mütterlichen Bereichen Kompetenzen ausbilden kann – und soll. Gib ihm den Raum, sich auszuprobieren.
  • Gib ihm Zeit: Lass ihn Stück für Stück in die Verantwortung rein wachsen und fahre nicht gleich von 0 auf 100. Oftmals sind die Aufgaben neu und müssen erst erlernt werden - genauso, wie die meisten Müttern beim Reifenwechsel oder einer anderen männlichen Domäne zunächst üben müssten. Er wird Übung darin bekommen und besser werden.

Das Gespräch suchen

  • mit Partner sprechen und erzählen, wie sehr dich die vielen To do´s mit den ganzen dazugehörigen Planungs- und Koordinierungsprozessen belasten (Stichwort: Mental Load)
  • Richtige Kommunikation
    • Ich-Botschaften (Was nimmst du wahr, was macht das mit dir, was wünschst du dir)
    • ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen, keine Böswilligkeit unterstellen; manchen Partnern ist gar nicht bewusst, was Frau tagtäglich leistet.
    • Zeit dafür einplanen, mit Ruhe und nicht zwischen Tür und Angel
    • offen und ehrlich miteinander sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, wie alle Aufgaben realistisch erledigt werden können („...also haben wir uns zusammen gesetzt und für uns war klar er braucht einen neuen Job mit besseren Arbeitszeiten.")
  • Aufgaben abgeben
    • To do-Liste erstellen mit allen Tätigkeiten, die du machst und besprechen, welche Aufgaben er davon künftig übernehmen kann.
    • Aufgaben nicht nur delegieren (dann sind sie nämlich immer noch in deinem Kopf), sondern wirklich abgeben
    • am besten nicht nur das einzelne To do übergeben, sondern optimalerweise den ganzen Prozess, der mit dem To do zusammenhängt (Beispiel: Kind ist zu Kindergeburtstag eingeladen - dann nicht Aufgabe „Geschenk besorgen" übergeben, sondern auch Klärung von Punkten wie: Was für ein Geschenk? Wann und wo besorgen? Geschenk verpacken - ist noch genug Geschenkpapier da? Gibt es parallel Termine, die abgesagt werden müssen? Rucksack packen, Kind bringen, Abholzeiten klären, Dankes-Nachricht an Geburtstagskind etc.)
    • Gemeinsamer Kalender mit möglichen Inhalten: Arbeitszeiten, Termine für Kind, Freizeitplanung, freie Abende für jeden Partner - in diesen können dann die anstehenden To do´s integriert werden 
    • wöchentliches Treffen zum Abgleich der To dos/Prozesse: Was steht an, wer macht was? („...Wochenplan, den wir immer Sonntags für die Nacht Woche fertig machen.")
  • Hinsetzen > Reden > Ausprobieren: „Als Familie wird man nicht geboren, sondern muss es sich erarbeiten."

Ansagen machen und Bitten äußern 

  • Manche Männer sind bereit, Aufgaben zu übernehmen, wissen aber schlicht nicht, was sie konkret tun können. („Mein Mann hat mir klar zu verstehen gegeben, dass man ihm sagen muss, was zu machen ist.“)
  • Nicht erwarten, dass dein Partner etwas macht, was für dich offensichtlich gemacht werden müsste. Es ist ein Lernprozess: Je mehr Verantwortung er übernimmt, umso mehr wird er den Bedarf erkennen und sich auch selbstständig um Dinge kümmern, ohne dass du ihm alles diktieren musst. Anfangs kannst du Aufgaben klar benennen und/oder Listen machen (siehe Punkt „Das Gespräch suchen"), bis es sich eingespielt hat.
  • Einige Frauen empfinden es (zu Recht) als Selbstverständlichkeit, dass der Mann ohne Aufforderung aktiv wird, doch die Frage ist, wie dann die Lösung aussieht. Das sollte jeder für sich selbst beantworten. 
  • Aufgaben auf Zuruf übergeben 
    • An Partner kommunizieren, dass man zu erschöpft ist für Aufgaben xy und ihn bitten, diese für einen zu übernehmen. 
    • Partner öfter fragen, ob er bitte Windel wechseln, Tisch abräumen, Müll runter schaffen etc. kann („...vielleicht wird es dann zum Selbstläufer.")

Dranbleiben

  • nicht bei erstem Misserfolg aufgeben, sondern dranbleiben („...musste meinen Mann in der Hinsicht erziehen")
  • immer wieder daran erinnern, dass ihr im selben Boot sitzt, ihr eine Familie seid und jeder mit anpacken sollte 
  • wenn es eine Vereinbarung gibt: auf Erledigung bestehen bzw. ansprechen (anstelle von „Ehe er es irgendwann macht, mache ich es lieber schnell selbst")

Streiken 

  • Wenn du auf taube Ohren stößt, empfehlen einige Mütter auch den harten Weg und verweigern Aufgaben, die beide betreffen. („Es sah über mehrere Wochen furchtbar aus. Das waren aber nur Wochen. Nachdem er seine Lektion gelernt hatte profitierte ich Jahre.“)
  • Möglichkeiten:
    • was nicht im Wäschekorb ist, wird nicht gewaschen oder seine Wäsche gar nicht mehr waschen/bügeln 
    • nicht mehr für ihn kochen, nur für dich und Kind(er)
    • nur das Nötigste im Haushalt erledigen
    • nur dein Geschirr abwaschen
    • Tisch für ihn wieder mit dreckigem Geschirr eindecken, das er nur auf und nicht in die Spülmaschine geräumt hat („…da sie AUF der Maschine nicht sauber werden.“) 
    • nur dein Bett beziehen
  • sanftere Variante: Nicht sofort springen, wenn etwas anfällt, sondern Zeit geben, dass es der Partner erledigen kann. 

Beziehung hinterfragen

  • Wenn du unter der Aufgabenverteilung leidest und dein Partner keinen Schritt auf dich zumachen möchte, solltest du in dich gehen, ob es das ist, was du für dein weiteres Leben möchtest und ob dich diese Form der Beziehung auf Dauer glücklich machen wird.  
  • "In einer Beziehung auf Augenhöhe sind die Lasten so aufteilt, dass beide gut damit leben können und es keinem zu viel wird (gehört dazu, wenn man sich liebt und sein Leben miteinander teilt)"
  • "Gleichberechtigte Elternschaft braucht einen Mann, der es versteht und mitzieht. Sonst funktioniert es nicht."
  • "Man kann alles teilen, der Wille zählt."

Ideen für die Politik 

  • 30 h-Woche als neue Norm (statt aktuell 40 h): Hintergrund: In vielen Familien - gerade mit kleinen Kindern - ist es nicht möglich ist, dass beide Elternteile 40 h/Woche die Woche arbeiten gehen > Entscheidung notwendig, wer in Teilzeit und Vollzeit arbeiten geht > geht meist zu Lasten der Frau, die häufig auch weniger verdient, was man aktuell an die vielen in Teilzeit arbeitenden Müttern sieht. Eine 30 h-Woche für alle Arbeitnehmer erleichtert die Vereinbarkeit für von Job und Familie und schafft mehr Zeit für die Familie für beide Elternteile. 
  • gleiche Entlohnung für Frauen und Männer (so fällt die Antwort, wer weiter arbeiten geht, nicht ganz so selbstverständlich aus);
  • Pflicht für Unternehmen zur Veröffentlichung des eigenen Gender Pay Gap für mehr Transparenz bei der Gehaltsstruktur 
  • besonderer Kündigungsschutz für Väter bei Schwangerschaft  (analog zur Mutter)
  • bezahlter Urlaub für Väter für 6 Wochen nach der Geburt
  • keine Beförderung von Vätern, die sich aus Carearbeit ausklammern (nach skandinavischem Vorbild)
  • Abschaffung des Ehegattensplittings (das aktuelle Steuersystem setzt vor allem für verheirateten Frauen massive Anreize, nicht oder nur geringfügig zu arbeiten. Sie müssen durch die gemeinsame Veranlagung einen so hohen Steuersatz zahlen, so dass von ihrem eigentlichen Einkommen wenig übrig bleibt und sich eine eigene Erwerbstätigkeit nur bedingt lohnt.)
  • Aufwertung der Sorgearbeit, z. B. durch zusätzliche Rentenpunkte; weiterführender Hinweis: https://equalcareday.de
  • gleichlange Elternzeit für beide Elternteile: „Beide Elternteile müssen gleich lang die elterngeldgeförderte Elternzeit nehmen- wie lang sei ihnen überlassen. Dann würde es für Arbeitgeber keinen Unterschied mehr machen, welches Geschlecht sie einstellen, das schwangerschaftsbedingte Ausfallrisiko wäre gleich hoch. Beide Eltern würden von Anfang an eine enge Bindung zum Kind aufbauen und hätten das gleiche Level an Erfahrung in der nötigen Carearbeit und würden gleichermaßen wissen was das an Kraft erfordert."; „Das Paar, dass die klassische Rollenverteilung will, kann das tun, wird dafür aber eben nicht mehr finanziert gefördert."; „ enn Papa darüber hinaus Vollzeitpapa sein möchte, muss die Mama ihm das finanzieren."; Gegenargumente aus der Diskussion darüber (Auswahl): 
    • „... ich gebe zu Bedenken, dass man mit staatlichem Zwang niemals das Mindset verändern kannst. Und, man stellt damit Lebensentwürfe "unter Strafe", die unseres Erachtens nicht erwünscht sind. Was ist mit dem Paar, die die klassische Rollenverteilung haben wollen, sich aktiv dafür entscheiden? Das muss genauso in Ordnung sein, wie wenn Frauen nach dem Mutterschutz direkt wieder arbeiten wollen. Aber das wäre dann halt nicht mehr möglich.
    • „Wie sehr kann ein Vater, der mit Zustimmung der Mutter einfach kein Vater, der sich kümmert, sein will, eine eine liebevolle Beziehung zu seinem Kind aufbauen, wenn er dazu „gezwungen" wird?"
    • „Und schließlich wird das leider nicht die weiteren Vorurteile und vermeintlichen Automatismen bekämpfen können: Mütter, die nach der Elternzeit in Teilzeit gehen, dass von Müttern erwartet wird, dass sie zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist usw…"

Ideen für den Arbeitgeber

  • 30h-Woche bei gleichem Gehalt (erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies nicht zu Lasten der Produktivität geht, sondern die Effizienz gesteigert wird und die gleiche Arbeit in 30 statt 40 Stunden geleistet werden kann)
  • Möglichkeit zum Homeoffice (Corona hat gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als Arbeitnehmern bislang zugestanden wurde.)
  • Gleitzeit, freie Einteilung der Arbeitszeit 
  • familienfreundlichere Meeting-Zeiten 
  • Führungsverantwortung auch für in Teilzeit Arbeitende
  • mehr Frauen in Führungspositionen, um den familiären Aspekt stärker zu berücksichtigen 
  • ein selbstverständlicher und wertschätzender Umgang mit Arbeitnehmern, die ihre Rolle als Vater über das „normale“ Maß hinaus wahrnehmen möchten. („Als mein Partner 4 (!!) Monate Elternzeit genommen hat, wurde er als „Mitarbeiter mit dem meisten Urlaub“ gekürt.“)

Das kannst du tun

  • Nicht selbstverständlich reduzieren, sondern Bewusstsein aufbauen, welche Konsequenzen dein Ausstieg oder deine Teilzeit-Stelle finanziell mit sich bringt. Deine Zeit zu Hause kommt der Familie zu Gute, für deine eigene finanzielle Absicherung hingegen ist es jedoch eine Katastrophe. Je weniger du arbeitest, desto weniger Geld fließt auf dein Rentenkonto, einer wichtigen Säule für dein Einkommen im Alter. Ebenso verschlechtern sich deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt, je länger du „raus“ bist, während dein Partner weiter an seiner Karriere arbeiten kann. Natürlich sind dein Partner und du an der Stelle ein Team, doch niemand hat eine Glaskugel. Was ist im Fall einer Trennung? Was passiert im Falle seines Todes - wie sieht deine finanzielle Absicherung dann aus? 
  • Rentenpunkte für der Deutschen Rentenversicherung für deine Carearbeit beantragen (nicht die Wucht, aber mitnehmen schadet nicht)
  • mit Partner vereinbaren, dass er einen finanziellen für die Zeit schafft, in der du deine Arbeit für die Familie zurückstellst (weil du z. B. in Elternzeit gehst), um deine Verluste auszugleichen (z. B. in gute Altersvorsorge wie private Rentenversicherung einzahlen oder ETF) Schließlich seid ihr beide für die Kinder verantwortlich und der, der Vollzeit weiter macht, kann dies nur weiter in diesem Umfang tun, weil der andere (meist die Mutter) zurücksteckt.
  • Reduktion der Arbeitszeit deines Partners, um mehr Zeit für Kinderbetreuung, Haushalt etc. zu schaffen und Aufgaben damit auf mehrere Schultern zu verteilen (ggf. zunächst begrenzte Zeit; auch nicht von 100 auf 0 - häufig reichen schon 80 statt 100 %, um einen echten Unterschied für die Familie zu machen. Dies schafft dir Freiraum, deine Arbeitszeit hochzuschrauben. (das gilt nicht nur für das erste Babyjahr, sondern solange das gemeinsame Kind Betreuung benötigt. („Auch wenn der Papa mit Baby nichts anfangen kann oder die Mama es nicht abgeben will bleiben nach den ersten 2 Jahren noch mindestens 12 Jahre, in denen Papa reduzieren und Mama aufstocken kann.“)
  • direkt mit einer höheren Stundenanzahl in den Job zurückkehren und die Carearbeit mit dem Partner aufzuteilen. („Etabliert sich erst einmal der Alltag mit Teilzeit- und Carearbeit im Ungleichgewicht zw. zwei Elternteilen wird es immer schwerer sich davon zu lösen und gleichberechtigt zu sortieren… Wir Frauen sollten mehr Mut haben, uns einen vollwertigen Job zuzutrauen und das Vertrauen zu haben, dass sich von dieser Position aus, das Familienleben gleichberechtigter organisieren lässt.“). Wichtig ist dabei, nicht in die Doppelbelastung zu gehen, in der du nun neben Job auch den Löwenanteil eures Privatlebens stemmst, sondern diese Aufgaben auf beide Schultern zu verteilen. 
  • Während Partner in der Elternzeit ist, selbst arbeiten gehen, anstatt des üblichen gemeinsamen Urlaubs 

(wie Erziehung, Förderung, Spielen, ins Bett bringen, füttern, wickeln, Zähne putzen, baden, Brotbüchse vorbereiten, nachts aufstehen, wenn Kind was braucht, Fahrdienste, Pflege bei Krankheit etc.)

 

Ideen für die Politik

  • gute Betreuungs-Infrastruktur schaffen mit Kitas, Schulen etc. (finanziell, zeitlich), damit Frauen auf Wunsch mehr arbeiten können; ggf. auch individuelle Betreuungslösungen für Zuhause schaffen

Das kannst du tun

  • Wenn du in der Babyzeit schlecht abgeben konntest: rechtzeitig Aufgaben wieder aufteilen, wenn Baby selbstständiger wird („Ich habe meinen Mann zu lange geschont, bin aber der Meinung, dass ich meinen Säugling nicht ohne Mama lassen will. Ab so etwa 1-2 Jahren ist es aber wohl möglich und! Sogar sehr wichtig.")
  • gerechte Aufteilung der Kindkrank-Tage (Tipp: „Man bekommt theoretisch einen Schein je Krankheit. Wir bitten die Ärztin immer, pro Tag einen Schein ausdrucken, damit wir die aufteilen können, je nachdem, wer an welchem Tag kann.")
  • ins Bett bringen 
    • Kind(er) abwechselnd ins Bett bringen
    • Partner beginnt und du kommst nur bei Bedarf dazu 
  • Nächte / Ausschlafen 
    • Kind in der Nacht abwechselnd betreuen, so dass einer durchschlafen kann
    • bei mehreren Kindern: jede Nacht Kinder tauschen („manche schlafen durch, manche noch nicht") 
    • am Wochenende schläft einer aus, der/die andere macht die "Frühschicht"  und dann Wechsel am nächsten Tag („Mein Mann geht dann samstags oft mit ihm einkaufen, ich nehme ihn sonntags gerne mit ins Fitnessstudio")
    • wer die Nacht macht, darf am Nächsten morgen liegen bleiben. 
  • Kita 
    • Er bringt Kind in die Kita, sie holt es ab.
    • wöchentlicher oder tageweiser Wechsel: einer bringt und holt - danach ist der andere dran, so dass man „kurze" und „lange" Arbeitstage gestalten kann 
  • Hausaufgaben 
    • Teilen der Hausaufgaben nach Fächern („Ich bin für Deutsch zuständig, er für Mathe")
  • Aktivitäten / Hobbys
    • nach Präferenzen: „Das wilde Spielen oder Sport übernimmt meistens mein Mann mit unserem Grossen."
    • nach festgelegten Aufgaben: „Mein Mann begleitet K2 zum Klavierunterricht (aber für's Üben sorge ich)."
    • nach festen Zeiten: während der eine die Kinder übernimmt, kann sich der andere zurückziehen und Zeit für sich haben („Sonntag ist ab Mitttag immer Papazeit bis Abends"); andere Idee: Man vereinbart mit Partner, dass jedes Elternteil nach bestimmter Anzahl von Wochen im Wechsel mit den Kindern übers Wochenende zu den Großeltern fährt, während der andere Elternteil zu Hause bleibt und damit ein freies Wochenende hat. (z. B. alle 6 Wochen)
  • Elternzeit:
    • Gemeinsame Elternzeit: „ 50/50 - wir haben beide 13 Monate gemeinsame Elternzeit... Mach 14 Monaten gibt es kein Elterngeld mehr. Wir haben 5 Monate komplett finanziellen Leerlauf und überbrücken den mit Erspartem. Das ist für Viele unvorstellbar: im wortwörtlichen Sinne - sie kommen nicht auf die Idee, das man das ja auch machen kann. Für uns ist diese Auszeit mit Kind enorm wichtig, ich sage auch immer: Geld kommt wieder, Zeit nicht. :-) Ich wünschte, das viele Eltern darüber mehr darüber nachdenken würden und sich von den üblichen Verteilungen (der „moderne" Mann nimmt seine 2 Monate Elternzeit) mal mental lösen würden. Und zwar nicht nur die Männer! Auch die Frauen müssen das mehr einfordern und nicht einfach selbstverständlich zuhause bleiben!"
    • Teilung der Elternzeit: „Im ersten Jahr war ich zu Hause , im zweiten Jahr er, weil er auch Zeit mit seinem Sohn verbringen will."
    • Aufgabenteilung während der Elternzeit: „Ich bin in Elternzeit und kümmere mich um mein Kind, während mein Mann sich fast hauptsächlich um den Haushalt kümmert"

Gleichberechtigungs-Gedanken an die eigenen Kinder weitergeben

  • Unsere Kinder sind die späteren Mütter und Väter, denen wir schon heute den Gedanken der Gleichberechtigung mit auf den Weg geben können, in dem wir alte Rollenbilder beim Großwerden auflösen.
  • selbstverständliche Integration in Haushaltstätigkeiten von Jungen; Mädchen werden häufig stärker integriert nach dem Motto „Er ist ist ein Junge, er mag so Dinge wie Kochen nicht. Dann machen das wir zwei Frauen."
  • feinfühlige Begleitung von Jungen wie bei Mädchen (...ihnen all das zu ermöglichen, was Mädchen dürfen und dies nicht als „Mädchenkram“ abtun"), so dass aus den Jungen emphatische Männer werden, die auf Augenhöhe kommunizieren, weich sein und Zuhören können - die Basis für ein gleichberechtigtes Miteinander.
  • Mädchen vermitteln, dass sie gegenüber Jungen keine Nachteile haben und all das können und dürfen, was Jungen auch können. 

(wie Wochenplan für Essen, Einkauf, Kochen/Essen machen zum Frühstück/ Mittag / Abend, Saugen, Böden wischen, Staubwischen, Wäsche waschen/ aufhängen/ zusammenlegen / einräumen, Aufräumen, Bad putzen, Küche putzen, Geschirrspüler einräumen/ ausräumen, Garten, Auto, Müll rausbringen, Altpapier und Glasmüll wegschaffen, Bügeln, Betten ab- und neu beziehen, Blumen gießen, Spiegel putzen, Fenster putzen, Garten, Auto, Gassi gehen, Reparieren, Nähen etc.)

  • feste Aufgaben für jeden definieren, damit der eine nicht denkt, das macht schon der andere
    • nach Vorlieben/Lieblingsbereichen: Jeder macht das, was er am liebsten macht oder worin er am schnellsten ist („Ich würde nie den Abwasch machen, mein Mann nie die Bäder. So fügt sich das ganz gut.“)
    • nach Bedeutsamkeit: Die Aufgaben abgeben, bei denen du nicht so pingelig bist („Ich mache die Wäsche. Das wollte ich aber explizit so, weil er da einfach nicht so drauf achtet“)
    • nach (Wohn-)Bereichen: du Badezimmer - er Garten
    • nach Prozent: z. B. 50/50-Teilung („Wir teilen uns die Wäsche")
    • nach "Verursacher": „Jeder räumt seinen Kram weg
    • nach zeitlicher Verfügbarkeit:
      • er macht morgens das Frühstück, du den Rest der Mahlzeiten, wenn er noch im Büro ist
      • „Ich bin unter der Woche zuständig, er am Wochenende"
      • „Am Wochenende sind wir beide zuständig.“
      • „Ich mache vormittags, was ich schaffe. Nachmittags macht er, was noch gemacht werden muss.“
    • nach Aufteilung Haushalt/Kinderbetreuung
      • „Der eine bringt das Kind ins Bett, der andere Räume in der Zwischenzeit auf."
      • „Ich koche, er bespaßt die Kinder."
      • „1/2 Stunde passe ich auf den Kurzen auf und mein Mann macht Haushalt und die nächste halbe Stunde wird getauscht."
    • nach Bedarf: „Der, der es sieht/dem es auffällt, kümmert sich um die Erledigung oder delegiert spontan."
  • 1 x Woche gemeinsamer Wohnungsputz (z. B. jeden Samstag Vormittag)
  • Einkaufen
    • Einkaufsliste von dir geschrieben, er erledigt es
    • Gemeinsame Einkaufsliste führen (per App wie Bring! mit Zugriff für alle beiden), wo beide eintragen können, was noch fehlt und wer gerade einkaufen ist oder die Gelegenheit dazu hat, bringt es mit 
  • Putzfrau engagieren (kostet erst eimal Geld, aber spart dir/euch vielleicht auch Zeit, in der du arbeiten und Geld verdienen kannst) 

(wie Rechnungen, Ablage, Kleidung Termine, Geschenke, Urlaub) 

  • Kleidung
    • „Ich habe meinen Freund gezwungen, sich bei mamakreisel anzumelden. Leider muss ich ihm immernoch sagen, was fehlt"
  • Termine
    • Gemeinsamer Terminkalender mit Inhalten wie Arbeitszeiten, Termine für Kind, Freizeitplanung, freie Abende für jeden Partner (in diesen können dann die anstehenden To do´s integriert werden) 

  • wenn du stets erste Anlaufstelle bist: Umfeld (Familie, Kita, Schule, Bekannte) deutlich machen, dass Vater des Kindes genauso zuständig ist und dazu angesprochen werden kann („Mein Mann diskutiert bspw. mit jeder/m, die mich ihm vorziehen wollen und meinen, ich könne etwas besser, weil ich die Mutter sei.")
  • anderen Familien eine Idee geben, wie es auch gehen kann („Ich erzähle meist proaktiv (aber ganz nebenbei), wie bei uns die Aufteilung ist. Ich werde höchst selten darauf angesprochen, und dann auch total vorsichtig und eher ehrfürchtig.") 

 

Diese Liste wird ständig erweitert.

Wenn du Ideen hast, die hier unbedingt noch rein müssen, schreib mir sehr, sehr gerne über das unten stehende Kontaktformular.

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Einige Ideen sind bereits von Doppelresidenz(Punkt)org und vom VBM (Verband berufstätiger Mütter) zusammengetragen