So kannst du um Hilfe bitten und Hilfe annehmen

Hilfe aktiv einfordern, statt darauf zu hoffen 

Erwarte nicht, dass Menschen immer zwischen den Zeilen lesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Liebsten selbst auf die Idee kommen, dich zu entlasten, ist meist eher gering. Oder sie würden gern, wissen aber nicht wie und sind unsicher. Deshalb: Sage klar und deutlich, was du willst und brauchst und wie man dich entlasten kann. 

 

Um Hilfe bitten ist nichts Schlimmes  

Vielen Mamas fällt es unheimlich schwer, andere um Hilfe zu bitten. Hier ein paar hilfreiche Gedanken, mit denen es dir künftig vielleicht ein bisschen leichter fällt. 

  • Nur sehr wenige Menschen empfinden es als Belastung, wenn sie um Hilfe gebeten werden. Die große Mehrheit ist nicht nur gerne dazu bereit, sondern fühlt sich sogar geehrt, dass ausgerechnet sie angesprochen wurden. Deine Bitte ist wie eine Anerkennung für sie. Um Hilfe bitten erzeugt auch Vertrauen. Das verbindet. 
  • Viele Menschen möchten helfen, wissen aber nicht wie. Sie sind unsicher und wollen dich nicht bevormunden mit ihrer Hilfe. Umso dankbarer sind sie für konkrete Aussagen von dir. 
  • Die Hilfe, die dir so groß erscheint, weil sie so einen großen Nutzen für dich hat, ist häufig ein Klacks für den anderen. Noch ein Kind vom Kindergarten abzuholen, führt andere Mamas in der Regel nicht an ihre Belastungsgrenze. Also: Nur, weil dir die Hilfe groß erscheint, ist die Hilfe für den Anderen häufig mit einem sehr überschaubaren Aufwand verbunden. 
  • Gegen das schlechte Gewissen: Hilf anderen in starken Zeiten und schaff dir sozusagen ein Hilfe-Depot, auf dass du dann in schwierigen Zeiten zurückgreifen kannst. Ein paar Ideen, wie du andere Mamas unterstützen kannst, findest du unter hier
  • Du kümmerst dich proaktiv um das Funktionieren deines Lebens und übernimmst Verantwortung. Die Hilfe verhilft dir zu mehr Stärke und Ruhe. Darum zu bitten, ist nicht schwach, sondern ein Zeichen von Kompetenz, sich zu kümmern, bevor etwas Anderes darunter leidet. Der "Das bekomme ich alleine hin"-Stolz ist hier kontraproduktiv und macht dich nur schwach. 
  • Was ist die Alternative? Heulend unter der Dusche? Schreiend mit Kind zu Haus? Völlig erledigt auf dem Sofa am Abend? Willst du diesen Preis bezahlen? 
  • Frage dich, wie wichtig dir die Anerkennung oder Freundschaft von jemanden ist, der dich aufgrund deiner Bitte um Hilfe als Versagerin oder schlechte Mutter verurteilt? 
  • Andersherum gedacht: Wie reagierst du auf eine Bitte von Anderen? Denkst du "Was für eine Versagerin" oder spürst du Verbundenheit und unterstützt gerne? Eben! Warum sollte es anderen nicht genauso gehen? 
  • Denke auch an dich als Vorbild für dein Kind: Ich schätze, du möchtest dein Kind nicht zu einem Einzelkämpfer, sondern zu einem sozialen Wesen erziehen, dass sich Hilfe holt, wenn es welche braucht. Das kann es von dir lernen.  

So kannst du um Hilfe bitten

  • Freundlich, offen und selbstbewusst 
  • nach Möglichkeit nicht kurz vor knapp, sondern mit ausreichend Vorlauf (geht nicht immer, ich weiß) 
  • Formuliere deine Bitte ganz klar, um was konkret du bittest. ("Kannst du nächsten Dienstag mein Kind mit von der Kita abholen?"); auf unkonkrete Fragen wirst du auch nur unkonkrete Antworten erhalten.
  • Begründe, warum dir das wichtig ist ("Ich hab seit Tagen schlecht geschlafen und brauch ne kleine Auszeit für mich.") 
  • für weiterhin nettes Miteinander: möglichst wenig Druck aufbauen, so dass der andere auch absagen kann ("Ich fänds toll, aber wenn das nicht bei dir klappt, bin ich dir auch nicht böse. Dann frag ich nochmal weiter rum.")
  • Bedenkzeit einräumen und sagen, bis wann du es wissen musst ("Du kannst ja mal in Ruhe schauen. Ich müsste nur bis Freitag wissen, ob es klappt bei euch.") 
  • Bedanke dich, egal ob Zu- oder Absage 
  • Je nach Gusto kannst du noch einen Vorschlag für ein gemeinsames Treffen machen. Das vermittelt deinem Gegenüber, dass er nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern du ihn auch als Mensch sehr schätzt.  

Keine Hilfsangebote mehr ablehnen 

Es klingt ja paradox, aber manchmal lehnen wir Hilfe reflexartig ab. Die Freundin fragt vor dem Playdate "Soll ich noch was mitbringen?" und man antwortet "Ach Quatsch, ich hol noch fix was beim Bäcker". Der Mann bietet an, einzukaufen, aber bekommt zu hören "Lass mal,  ich muss morgen sowieso einkaufen". Die Kollegin bietet an, den Kunden anzurufen und aus dir kommt es reflexartig "Ich mach das noch fix selbst." Findest du dich da wieder? Dann kommen hier ein paar Tipps: 

  • Beobachte dich im Alltag, wann du angebotene Hilfe reflexartig ablehnst. Was hält dich davon ab? Dein "Das bekomm ich doch alleine hin"-Stolz? Dein "Die anderen machen das nicht so gut wie ich"-Perfektionismus? Frage dich ehrlich.
  • Versuche deine Annahmen zu entkräften: Die anderen bekommen das schon hin - vielleicht nicht ganz genau wie du, aber dafür bekommst du ein wunderbares Verschnaufpäuschen. Und sie hätten doch keine Hilfe angeboten, wenn sie es nicht so meinen würden. 
  • Greif zu: Statt gleich abzulehnen, versuch es mal mit "Oh ja, das wäre super! Ich schick dir gleich die Einkaufsliste."
  • Mach Nägel mit Köpfen bei unspezifischen Hilfsangeboten: Greif ein "Klar, kann ich gern mal machen" auf und konkretisiere es. 
  • Versuch im Umgang mit anderen ehrlich zu sein. Wenn du auf die Frage "Wie gehts dir" mal nicht mit allgemeinen Floskeln, sondern ehrlich antwortest („Puh, es ist grad viel im Moment. Weiß aktuell noch gar nicht, wie ich das alles schaffen soll.“), kommt sicher das ein oder andere überraschende Hilfsangebot zu dir geflogen.

Welche Ideen kannst du noch beisteuern, um die Scheu vor Hilfe abzulegen?

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